2018: Keine Fortführung der IDM durch den IVM

Am gestrigen Montag den 18. September 2017 wurde bei der Sitzung der Arbeitsgruppe Motorsport des IVM (Industrie Verband Motorrad) entschieden, dass die IDM im kommenden Jahr nicht fortgeführt wird. Der IVM hatte erst vor einem Jahr das Kommando übernommen und agierte in dieser Zeit als Promoter der höchsten deutschen Motorradmeisterschaft. Der gesamte Motorradsport liegt in Deutschland niedergeschlagen am Boden.

Das Motorrad Action Team richtete in dieser Saison die Meisterschaft auf sechs Rennstrecken aus, dazu kam die gemeinsame Veranstaltung mit der Superbike-WM am Lausitzring. Sportlich gesehen war es auch in  2017 eine starke Saison, mit vollem Startfeld in der Klasse Superbike und hoher Leistungsdichte in den Klassen Supersport 600 sowie Sidecar. Die jeweiligen Meister dieser Klassen stehen bereits fest und konnten ihren Titelgewinn bereits frühzeitig feiern.

Leider blieben die großen Erfolge der IDM an sich aus. Ernüchternde Zuschauerzahlen am Nürburgring, in Zolder und Assen und auch zuletzt in Oschersleben. Lediglich in Schleiz konnte man die Meisterschaft noch einmal aufleben sehen. Es bleibt das Saisonfinale in Hockenheim am 1. Oktober, wo in der Vergangenheit immer viele Fans den Weg auf die Tribünen und ins Fahrerlager gefunden haben. Wird es wirklich das letzte IDM-Wochenende sein?

Motorradsport in Deutschland – wie geht es weiter? | Foto: IDM News

Eine Meisterschaft, wie die IDM, lebte in der Vergangenheit von ihren Zuschauern (so wie sie es heute auch nur könnte). Sie begeisterte stets mit der Nähe zum Fan, wie zum Beispiel beim Pitwalk oder beim offenen Fahrerlager. Die Eintrittspreise waren immer ansprechend günstig und die Racepartys am Samstag legendär. Das Rahmenprogramm mit Taxifahrten, gratis Testfahrten neuer Straßen Motorräder sowie Stuntshows waren immer beliebt. Aber reicht das aus?

Vieles wurde ausprobiert, es nutze leider nicht viel

In diesem Jahr wurde seitens Veranstalter einiges neues versucht. Man konnte an Rennwochenenden mit dem eigenen Bike über die Rennstrecke fahren, eine Paddockshow wurde initiiert und jeweils am Samstag und Sonntag um 18 Uhr wurde im Internet eine Talkshow mit Gästen ausgestrahlt, die Siegerehrung wurde in das Fahrerlager verlegt um näher am Fan zu sein (Was unserer Meinung nach allerdings nicht die beste Idee war). Allerdings wurden auf der anderen Seite, meiner Meinung nach, einige Fehler gemacht: So zum Beispiel die sehr schlechte Internetpräsenz mit fehlender eigener Webseite und eine ziemlich unpräzise und sporadische Social Media Arbeit seitens der offiziellen IDM Kanäle. Vom WM-Lauf am Lausitzring, bei dem die Klasse Superbike als Rahmenserie unterwegs war, wurde gar kein bewegtes Bild geliefert, so konnte der Fan nicht einmal die Meisterfahrt vom Superbike-Champion Reiterberger verfolgen.

Markus Reiterberger, Thomas Gradinger und Markus Schlosser mit Beifahrer Thomas Hofer… sind das unsere letzten IDM Champions? Schade wäre es allemal!

Dennoch liegt das Hauptproblem nicht im Jahr 2017 und nicht nur beim IVM und Motorrad Action Team. Im Hintergrund war stets der DMSB und früher der ADAC, die leider nie zum Erhalt der IDM beigetragen haben. Bis 2016 war die Firma Motor Events HMP die treibende Kraft in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft, anfangs mit guten Erfolgen und immer wieder neuen Ideen, kam es anschließend zum Streit zwischen DMSB /ADAC / HMP und schließlich zum Ende der Zusammenarbeit mit dem ADAC, der dann seine eigene Suppe kochte und mit dem Northern European Cup (NEC) und dem ADAC Junior Cup anfing durch Europa zu reisen. Der DMSB (mit Vorsitzendem Hans Joachim Stuck) war für die IDM Ausrichter auch nur mehr Last als Hilfe und somit wurde die IDM zum Ende 2016 grundlegend verändert, nachdem sich Motor Events verabschiedete.

Das folgende Dilemma ist bekannt und kommt nun scheinbar zu einem Ende. Das der IVM die IDM 2018 nicht organisiert heißt zwar nicht, dass es die IDM endgültig nicht mehr gibt aber um ein weiteres bestehen der Meisterschaft zu gewährleisten, müssten Lösungen geschaffen werden, die dem Motorradsport in Deutschland dienen und nicht von Verbänden und Managern, die sich nur die Taschen voll stecken wollen, geführt werden. In Deutschland wird eine Organisation benötigt, die das Thema Motorrad und Motorsport am Leben halten möchte und welche den Biss hat, den Fans, Fahrern und Teams zu zeigen, dass Motorradrennen etwas besonderes sind. Ein Motorsportverband, wie der DMSB interessiert sich, dem Anschein nach, leider nur für Fahrzeuge auf vier Rädern und es ist schon lange offensichtlich, dass Zweiradsport dabei keine Rolle spielt. So kamen beispielsweise vom Motorrad Weltverband gezahlte Förderungen für den Zweiradsport in Deutschland, nie bei den jungen Talenten an. Niemand beim DMSB kann dazu eine Aussage tätigen…

Es muss etwas passieren in diesem Land, damit der Sport am Leben gehalten wird. Jonas Folger kann nicht unser letzter MotoGP Fahrer gewesen sein.

Kommentare

    Hagen Weithas
    19. September 2017 - 14:20

    Ganz toll geschrieben und entspricht voll und ganz den Tatsachen. Das kann es doch nicht gewesen sein in so einem angeblich reichen Land.Gibt es denn wirklich keine Sponsoren und Motorradbegeisterte Firmen mehr? Kaum zu glauben so was…armes Deutschland

      Tim Althof
      19. September 2017 - 14:29

      Scheinbar gibt es in diesem Land nur noch die große Empathie für Elektroautos… Wie kann man nur so blind durch diese Welt stolzieren?

    Klaus Steinberger
    20. September 2017 - 15:34

    Sollten die Typen vom DSMB tatsächlich Gelder veruntreuen oder zweckwidrig verwenden, warum zeigt die dann keiner an ??!
    Gibt`s in Deutschland nicht auch (wie in Österreich) eine Korruptionsstaatsanwaltschaft?
    Die würde schon hinterfragen wo die Kohle verschwunden ist.

    Manuel Pawel
    28. September 2017 - 22:39

    Helene Fischer hätte die Kohle!
    Wenn wir alle ganz stark sind und sie an jedem Wochenede auf der Start_Ziel-Geraden auftreten lassen, ja dann hätten wir einen SPONSOR!

      Tim Althof
      29. September 2017 - 10:58

      Wäre auf jeden Fall kein schlechter Ansatz 🙂

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